PERU 2018

Der Austausch zwischen Hamburg und Cusco fand unter dem ausgewählten Oberthema „Migration und Kultur“ statt, welches die 18 deutschen und 15 peruanischen Teilnehmer*innen über den gesamten Austausch begleitete. Es war ein wichtiges Anliegen, die Schnittmengen zwischen diesen zwei Thematiken aufzuzeigen und diese sowohl theoretisch wie auch empirisch zu erarbeiten. Eines der Hauptziele der Jugendbegegnung zwischen den Jugendlichen aus Hamburg und Cusco bestand darin, Raum für einen Dialog beider Gruppen zu schaffen, um ihre kulturellen Werte und Ansichten sowie Realitäten miteinander zu teilen.

Aufbauend auf der Jugendbegegnung in Peru im Vorjahr, bei dem der Fokus auf Migration im Zusammenhang mit indigenen Gruppen lag, war für diese Maßnahme im ersten Schritt eine theoretische Annäherung geplant. Dabei sollte einerseits eine Diskussion über die Themen „Kultur“ und „Migration“ auf einem abstrakten Niveau und anderseits den damit verbundenen Raum für den Austausch über individuelle Alltagserfahrungen und Lebensweisen der Teilnehmer*innen ermöglicht werden. Neben einer Einführung in die verschiedenen Begriffe die mit Migration zu tun haben, wie etwa Geflüchtete/Flüchtlinge, Migrant*innen, Binnenmigration, grenzüberschreitende Migration, erzwungene Migration, machte sich die Gruppe mit den Theorien der Integration und Assimilation vertraut, die zum Ende dieser Veranstaltung zu einer interessanten und lebhaften Debatte führte.

Die peruanische Seite hielt einen Vortrag über die Migration aus Venezuela nach Peru, um den Hamburger*innen einen Einblick in diese aktuelle Thematik zu geben. Um von der Theorie zur Empirie zu gelangen, veranstaltete die Gruppe ein sogenanntes Migration Speed-Dating, bei dem die Teilnehmer*innen in einer ungezwungenen Atmosphäre über ihre persönlichen Migrationserfahrungen sprechen konnten. Im Programm fanden sich ebenfalls einige Aktivitäten, die Schnittstellen zwischen Kolonialismus und Migration aufzeigten. Neben einem postkolonialen Stadtrundgang, der Migration mit Kolonialismus verband und deren Folgen in der heutigen Gesellschaft präsentierte, gab es einen Vortrag mit dem Titel „Europa und Lateinamerika: Kolonialgeschichte damals und heute“, der sich auf unseren Alltag fokussierte. Zusätzlich führte die Gruppe eine Gesprächsrunde mit Vertreter*innen der Zivilorganisation „Mujeres sin Fronteras“, die vor allem weibliche Migrant*innen aus Lateinamerika in Hamburg unterstützen. Die Gruppe reflektierte so über Schwierigkeiten und Probleme bei der regulären sowie der irregulären Immigration nach Deutschland. Ein letzter hier zu erwähnender Programmpunkt war die kulinarische Weltreise, bei der die Jugendlichen unter anderem mit der Geschichte der Gastarbeiter*innen bekannt gemacht wurden. In Begleitung köstlicher Speisen lernten die Gruppe etwas über die kulturell wertvolle Gastronomie Hamburgs im Zusammenhang mit Migration kennen.

Zudem setzten sich die Teilnehmer*innen bei einem Besuch des KZ Neuengamme und während eines mehrtägigen Aufenthalts in Berlin mit der deutschen Geschichte auseinander. Außerdem war die peruanische Gruppe im Zeitraum ihres Aufenthalts an der Umsetzung des Lateinamerika Festivals mitbeteiligt und bereicherten das kulturelle Programm an beiden Tagen mit traditionellen Tanzdarbietungen.

Die nachgelagerte Reflexion aller Aktivitäten zeigt, dass die von uns selbst definierten Ziele weitgehend erreicht wurden. Der Dialog zwischen den Gruppen, deren Kulturen und Migrationserfahrungen wurde zum ständigen Begleiter dieser Jugendbegegnung. Die geführten Diskussionen ermöglichten einen unvoreingenommenen Austausch von Perspektiven und Meinungen, die alle in einem toleranten und friedlichen Klima geführt wurden. Diese Austauschmaßnahme war für beide Jugendorganisationen ein großer Zugewinn und führte zu nachhaltigen Freundschaften.

Internationaler Jugendverband Europa-Lateinamerika